
Aus dem Leben …
Seit über einer Woche halte ich mich auf einer Palliativ Station auf und begleite im Rahmen meiner Möglichkeiten mehr in subtilen und kausale Räumen als im Konkreten. Meine Wahrnehmungskanäle weit offen um in dieser Form dienen zu können.
Mein Hauptfokus gilt natürlich meinem besten Freund und Seelenbegleiter der grade durch unglaubliche Prozesse geht, die mit Worten nicht zu beschreiben sind…( mehr erfahrt ihr von ihm selbst auf seinem InstagramProfil „Oddos im Kopf und so“)
Doch ich spüre nicht nur ihn. Ich spüre die ganze Station, die Seelen die dort mit ihm liegen und an unterschiedlichen Punkten ihrer Transformationswege stehen und ich spüre die Angehörigen mit ihrer Unsicherheit, ihrer Sorge, ihrer Angst, ihrer Trauer, ihrem Schmerz. Das Sterben ist noch immer ein Thema, das in unserer Kultur oft tabuisiert wird. Ein Thema, was Menschen meist so lange sie können möglichst ausblenden, …sich nicht mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens auseinandersetzen wollen, wenn das Leben sie nicht dazu zwingt. Folglich sind Menschen auch damit überfordert mit den Menschen umzugehen, die grade nicht anders können als sich mit dieser Endlichkeit und dem Übergang auseinanderzusetzen.
Heute begegnete mir ein junger Mann. Ein Kerl wie ein Baum. Voller Trauer und Schmerz saß er auf der Terrasse. Wir hatten mehrfach Blickkontakt… und nach dem er sein Telefonat beendet hatte, ging ich leicht verunsichert auf ihn zu. Folgte aber meiner Intuition ihn zu fragen, ob er eine Umarmung haben mag. Wohl wissend, dass er einer Kultur entstammt, wo es durchaus hätte sein können, dass er die Umarmung einer fremden Frau ablehnt. Also sprach ich ihn an, sagte ihm dass ich seine Trauer spüre und fragte ihn, ob er eine Umarmung haben möchte. Nach einem Sekundenbruchteil Irritation öffnete er die Arme und ließ sich kurz von mir weinend halten.
Er erzählte mir, dass sein Bruder im Sterben liegt und sein letzter Wunsch war zu Hause bei seiner Familie sterben zu können. Der Flug, der ihn zu seiner Familie in sein Heimatland bringen sollte, wurde kurzfristig gecancelt und nun geht es so schnell, dass er hier sterben wird. Ich hielt ihn nur, ließ ihn sprechen, ohne etwas dazu zu sagen. Er atmete tief durch, sprach das tat gut das einfach mal zu sprechen. Er bedankte sich und ging wieder zu seinem Bruder.
Du musst nicht immer kluge Worte parat haben. Es geht nicht darum etwas zu erwidern. Eines der größten Geschenke ist einfach da zu sein, zuzuhören, in liebevoll annehmender Präsenz, ohne was tun oder wegmachen zu wollen. Wenn es Dir gelingt einen Raum zu halten, in dem die andere Person einfach sein kann wie sie grade ist… gibst Du eines der heilsamsten Geschenke, die von Mensch zu Mensch möglich sind.
Das gilt übrigens nicht nur in Situationen wie dieser. Sondern wann immer du einem anderen Menschen einen Raum anbietest in dem es möglich ist sich zu zeigen mit dem was grade präsent ist.
Von Herz zu Herz 💫❤️💫
Treya